OMAS GEGEN RECHTS
Darmstadt
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„Der Vergewaltiger bist du!“ – Starker Auftakt für #Hinschauen. Gemeinsam gegen patriarchale Gewalt

Mit einem bewegenden Flashmob und einer eindringlichen Ausstellung ist am 24. August 2026 im Justus-Liebig-Haus das Projekt „#Hinschauen. Gemeinsam gegen patriarchale Gewalt“ eröffnet worden. Im Zentrum steht die Wanderausstellung
Was ich anhatte…“, die bis zum 7. September zu sehen ist.

Der Vergewaltiger bist du
„Der Vergewaltiger bist du!“

Mit 80 Gästen hatten die Veranstalterinnen – die Omas gegen Rechts Darmstadt, pro familia und das Frauenbüro der Wissenschaftsstadt Darmstadt – gerechnet. Es kamen mehr als doppelt so viele. Gut 180 Besucherinnen und Besucher füllten am Eröffnungsabend das Foyer des Justus-Liebig-Hauses – ein Andrang, der zeigt, wie sehr das Thema patriarchale Gewalt die Stadtgesellschaft bewegt. Los ging es mit einem Paukenschlag: Eine Tanzgruppe performte vor dem Eingang einen Flashmob, in dem junge Frauen und einige Männer unmissverständlich klarmachten, worum es an diesem Abend geht. „Es missbraucht uns der Staat, Schluss mit dem Patriarchat. Der Vergewaltiger bist du!“, skandierte die Gruppe – eine Anklage, die sich nicht gegen einzelne Täter richtete, sondern gegen ein System, das Gewalt gegen Frauen bis heute bagatellisiert.

Kleidungsstücke erzählen Geschichten

Im Zentrum des Abends stand die Eröffnung der Wanderausstellung „Was ich anhatte…“. Ihr Konzept ist so schlicht wie eindringlich: An Drahtkleiderbügeln hängen Shirts, Nachthemden, Hosen, Röcke, eine Pfadfinderuniform – Kleidungsstücke, die zwölf Frauen und Mädchen sowie ein Junge bei sexualisierten Übergriffen, Nötigungen und Vergewaltigungen getragen haben oder die den originalen Stücken zum Verwechseln ähnlich sind. Vom Nachthemd einer 80-Jährigen bis zum Kleid eines sechsjährigen Mädchens spannt sich der Bogen. Auf Papierbahnen daneben schildern die Betroffenen in eigenen Worten, wie es zu der Tat kam.

Die Botschaft ist unmissverständlich: Sexualisierte Gewalt lässt sich niemals mit der getragenen Kleidung erklären oder rechtfertigen. Welches Kleidungsstück eine Frau anhatte, ist für das Tatgeschehen irrelevant – und darf nie wieder zur Schuldfrage werden. Musikalisch begleitet wurde die Ausstellungseröffnung von einem Frauenduo, die „Quiet“ von Milck interpretierten- das Lied gilt als weltweite Hymne der #MeToo-Bewegung.  

Grußworte: „Schluss mit dem Patriarchat!“

Es sei folgerichtig, dass die „Omas gegen Rechts“ auch die Initiative für die Ausstellung „Was ich anhatte“ initiiert hätten, sagte Darmstadts Bürgermeisterin Barbara Akdeniz in ihrem Grußwort zur Eröffnung: „Denn es geht gegen patriarchale Gewalt – und ich weiß, Rechte und Rechtsextreme lieben das Patriachat, deshalb gilt umso mehr: Schluss mit dem Patriachat.“ 

Auch Dr. Eric Sparn-Wolf vom Paritätischen Hessen richtete deutliche Worte an die Gäste: Es seien tief verankerte, von klein auf eingeübte Muster, die Frauen sexualisierten und unterdrückten. „ Sexualisierte Gewalt ist die einzige Form von Körperverletzung, die überhaupt nur dann strafrechtlich verfolgt wird, wenn zuvor ausdrücklich „Nein“ gesagt wurde.“

Im Anschluss führte Miriam Seel, Fachberaterin für sexualisierte Gewalt bei Pro Familia Darmstadt, die Gäste durch die Ausstellung. Viele zeigten sich betroffen – sexualisierte Gewalt ist ein Thema, bei dem gern weggeschaut wird. Der Projekttitel „Hinschauen. Gemeinsam gegen patriarchale Gewalt“ stehe für Verantwortung und für die Bereitschaft, hinzusehen statt wegzusehen, zu widersprechen statt zu schweigen, sagte Darmstadts Bürgermeisterin Akdeniz: „Das Projekt macht sichtbar, dass geschlechtsspezifische und patriarchale Gewalt uns alle betrifft und dass es unsere gemeinsame Aufgabe ist, ihr entschieden entgegenzutreten.“ 

Von der Scham zur Stärke

Was die Ausstellung so kraftvoll macht, ist der Perspektivwechsel, den sie einfordert: weg von Schweigen, Individualisierung und Schuldumkehr, hin zu einem strukturellen Verständnis von Gewalt und zur Stärkung Betroffener. Schuld und Scham, so die klare Botschaft des Abends, dürfen nicht länger bei den Betroffenen liegen – sie müssen endlich die Seite wechseln. Eine der porträtierten Frauen bringt es auf den Punkt: Sie versteht sich nicht länger als „Opfer“, sondern als „Überlebende“.

Weil die Themen der Ausstellung belasten können, sind während der gesamten Laufzeit geschulte Fachkräfte vor Ort, die bei Bedarf Unterstützung und Gespräche anbieten.

Wie geht es weiter?

Die Ausstellung „Was ich anhatte…“ ist noch bis zum 7. September im Foyer des Justus-Liebig-Hauses zu sehen – bei freiem Eintritt. Kostenfreie Führungen bietet Miriam Seel am 27. August (17–18 Uhr) und am 4. September (15–16 Uhr) an, eine Voranmeldung ist nicht nötig. Schulklassen ab Klasse 10 sind ausdrücklich willkommen; Anmeldungen nimmt Pro Familia unter schulklassen.termine@hessen.profamilia.de entgegen.

Das weitere Rahmenprogramm von #Hinschauen. Gemeinsam gegen patriarchale Gewalt: :

  • 30. August, 14:30 Uhr, Rex Kino: Dokumentarfilm Luchadoras über Femizide und weibliche Selbstermächtigung in Mexiko, im Anschluss Filmgespräch mit Camila López de Melo und Andrea Hartmann (16:10–17:10 Uhr).
  • 4. September, 16:30–19:30 Uhr, Justus-Liebig-Haus: Workshop „WenDo für Mädchen* und Frauen* – Stark auftreten & Grenzen setzen“ mit Trainerin Doris Aubele, kostenfrei mit begrenzten Plätzen (Anmeldung: info@wildwasser-darmstadt.de).
  • 7. September, 18 Uhr, Justus-Liebig-Haus: Lesung mit der Familienrechtsanwältin Asha Hedayati aus ihrem Buch „Die stille Gewalt“, anschließend Autorinnengespräch.

Weitere Informationen finden sich unter wasichanhatte.de und auf omasgegenrechts-darmstadt.de.

Wir sagen: Hinschauen statt Wegsehen. Kommt vorbei – und bringt Freundinnen, Freunde und eure Kinder mit.

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