OMAS GEGEN RECHTS
Darmstadt
OMAS GEGEN RECHTS
Darmstadt
OMAS GEGEN RECHTS
Darmstadt

Luchadoras – ein Film, der betroffen macht

Das Kino war gut besucht an diesem Sonntagnachmittag. „Luchadoras“ stand auf dem Programm – ein Dokumentarfilm über drei Wrestlerinnen in der mexikanischen Grenzstadt Juarez. Der Film ist Teil des Projekts #Hinschauen. Gemeinsam gegen patriarchale Gewalt, den eine Kooperation der Omas gegen Rechts Darmstadt, dem Frauenbüro der Wissenschaftsstadt Darmstadt und pro familia Darmstadt. 

Betroffen und sehr bewegt reagierten die Besucherinnen und Besucher auf das Schicksal von Lady Candy, Baby Star und Mini Serenita, die wie viele andere Frauen dort jeden Tag Gewalt ausgesetzt sind. Lady Candy lebt allein, denn ihr Mann, der sie häufig geschlagen hatte, ist mit den kleinen gemeinsamen Töchtern nach der Scheidung nach El Paso in die USA gezogen – direkt auf die andere Seite des Grenzzauns. Die 23jährige Lady Candy kann sie nicht besuchen, solange sie kein Visum für die USA hat. Um das Geld dafür aufzubringen, lässt sie sich auf einen Kampf ein – mit dem Preisgeld könnte sie die nötigen 150 Dollar bezahlen. Es geht um ihre Haare oder die Gesichtsmaske der Gegnerin. Masken tragen viele „Luchadoras“, spanisch für Kämpferinnen. Baby Star etwa legt sie sogar niemals ab, auch nicht im Umgang mit ihrer kleinen Tochter. 

Die Lebensumstände der Frauen machen betroffen, auch der lapidare Umgang mit der Gewalt – etwa wenn in einer Szene Lady Candy ihre Freundin fragt, warum sie denn ein geschwollenes Auge habe. Die antwortet nur kurz: „Ich habe eine Pfanne ins Gesicht bekommen.“ 

Juarez an der Grenze zu den USA war vor allem in den 1990ern Jahren und zu Beginn der 2000er bekannt für Gewalt. Immer noch gilt sie als die Stadt mit den meisten Femiziden in Mexiko, erklärt Camilla López de Melo, Fachberaterin beim Bundesverband der Frauenberatungen und Frauennotrufe im anschließenden Filmgespräch mit Moderatorin Andrea Hartmann. Diese Einordnung der Hintergründe und Inhalte war bei diesem Thema besonders wichtig. Zu fremd sind vielen Zuschauenden die Lebensumstände der Mexikanerinnen. Was hat es etwa mit diesen Masken auf sich? Die benutze Baby Star wahrscheinlich zum einen als Schutz vor Wiedererkennen im Alltag, sagt Camilla López de Melo. Außerdem gehöre sie für die „Luchadoras“, auch zu ihrer Rolle. 

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum kam auch die unterschiedliche Situation der Frauen und Mädchen in Südamerika und Westeuropa zur Sprache. Warum denn heute so wenige Frauen gegen Gewalt auf die Straße gingen? fragte López de Melo. Eine 40jährige Mutter führte das auf die Individualisierung und Vereinzelung der Gesellschaft zurück, außerdem hätten viele junge Familien Probleme, Kinderbetreuung, Arbeit und Haushalt unter einen Hut zu bringen. Da bleibe für sonstiges Engagement und Austausch mit Freunden kaum noch Zeit. Ansätze für Protest gegen verschiedene Umstände gebe es, sagte eine ältere Frau aus dem Publikum und verwies etwa auf die „Fridays for Future“. Wichtig sei es, die verschiedenen Protestformen wieder zusammenzubringen und sich Zeit für Engagements zu nehmen, sagte Moderatorin Andrea Hartmann. Das hätten ja auch die „Luchadoras“ geschafft, die wahrscheinlich weitaus länger pro Woche arbeiteten als dies in unseren Gesellschaften üblich sei, meinte die in Chile gebürtige Fachberaterin Camilla López de Melo.

Die Diskussion hörte unter den Besuchenden auch nach dem Filmgespräch nicht auf. Lange danach sah man vor dem Kino noch Frauengruppen ihre Eindrücke austauschen. 

Nach oben scrollen